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In der Reihenhaussiedlung
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Der ist neu. Der war gestern noch nicht da! Und fast wär sie drüber gefahren, das heißt - nicht drüber - dazu ist es viel zu hoch - sie hätte die Achse von Papas Auto verbogen. Mindestens. Und sie hätte mächtig Ärger bekommen - nicht mit ihrem Vater, sondern mit dem Steinbesitzer.

Das will ich auch sehen.

Dieser Steinbesitzer wohnt in einer Reihenhaussiedlung am Stadtrand. In Viererblöcken stehen winzige Häuschen beidseitig der Straße akkurat aufgereiht, In den sechziger und siebziger Jahren sahen sie alle gleich aus, waren erst holzverkleidet, später mit Eternit. Und in fast jedem Haus wohnten wenigstens zwei Kinder. Die konnten von Haus zu Haus über kniehohe Zäunchen einfach wegrennen. Und alle Kinderzimmer waren in den Häusern dieselben, und alle waren sie fast identisch eingerichtet, weil es für die Kombination Schrank/ Tisch/ Bett eigentlich nur eine einzige Stellmöglichkeit gab. Die Initiatorin dieses Beitrags hat es als kleines Kind mal geschafft versehentlich im falschen Bett einzuschlafen. Keiner wusste, wo sie war, alle haben sie gesucht. Sie selbst bemerkte erst, dass sie im Nachbarhaus war, als sie  wieder aufwachte. Für ein müdes kleines Mädchen war ein Zimmer wie das andere.

Heute sieht jedes Haus anders aus, sie haben Wintergärten, Terrassen und Dachgauben, sind weiß und orange, himmelblau und dunkelrot, haben Fassaden aus Holz, Putz oder, wo noch die alten Bewohner drin sind, Eternit.

Und dann ist da dieses eine, das aussieht wie eine kleine Trutzburg. Es ist das Eckhaus,, mit dem der Viererblock schließt, es hat drei Außenseiten, und der Garten ist etwas größer. 

Die Fassade schlicht weiß. Der Carport blendet von Weitem, die Wand zum Nachbarn ist aus Aluminium.  Die Gartentür sieht aus wie aus massivem Stahl; sie ist mit Code verschlossen. Der Boden ist versiegelt, Pflastersteine, Kies, Mauern – da getraut sich kein Graßhalm her. Der Garten ist zum Teil umzäunt mit bestimmt drei Meter hohen dicken Bohlen, und wo nicht das, dann stattlicher Maschendraht. Auch im Garten ist alles gepflastert und bebaut. Ein bisschen Grün kommt von Kunstlaub, das wie eine Tarnkappe eine Trennwand bedeckt, die eine Mauer verdeckt, die den Zaun verdeckt - alles ist doppelt und dreifach, verplombt und versiegelt, dicht dichter am dichtesten.

Über der Haustür hängt eine Kamera, sie nimmt den Eingangsbereich auf und ganz bestimmt den stahlbedachten Carport und das winzige Eck zum Nachbarstellplatz hin., wo die Aluwand aufhört und zwanzig Zentimeter ungeschützter Grenze zum Nachbargrundstück liegen.

Lagen.

Bis da jetzt also dieser Stein steht. Mit daumendicker Kette und Vorhängeschloss gesichert, genau am Eck, und halt eben so, dass man sich den Hacken anstößt oder stolpert, wenn man nicht damit rechnet. Oder das Auto plattfährt, wenn man in Eile oder mal eben ungeschickt ist.

Die Initiatorin dieses Textes denkt, besorgt um Seelen – und Hausfrieden ihrer alten Eltern, vielleicht kann man den Stein breit stellen, dann wäre er etwas niederer und träfe nur den Reifen, WENN er träfe. Und der Rollator stürzte auch nicht gleich drüber. Sichersicher, alle tun ihr Bestes um keinen Zentimeter des Grundstücks zu betreten, aber vielleicht gelingt´s mal nicht.

Dann sieht sie, dass er innen am Boden festgeschraubt ist. Mit einer Schraube, an der man einen 7,5Tonner aufhängen könnte.

Wow! Darf man so was neurotisch nennen? Und wenn der nun auf seiner Kamera sieht, dass man das in Augenschein genommen hat – gilt das dann als Provokation?  Als Nächstes kommt die Kavallerie. Wegen nichts. Wegen zwei alten Leutchen, die versehentlich mal einen Pflasterstein touchieren könnten.

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